etropolis 095

 

Turbinenhalle 5. März 2016, Oberhausen
Festivalauftakt 2016 im Ruhrgebiet – das E-Tropolis in Oberhausen heizte mächtig ein.


Während draußen noch kühle winterliche Verhältnisse herrschten, liefen in der Turbinenhalle zwar keine Maschinen mehr heiß, aber dank der vielen Menschen konnte man das Festival gut im T-Shirt genießen.
etro7Die 15 Bands gaben aber auch ihr bestes um die Temperaturen hochzukochen. Auf der Mainstage war der Opener Henric de la Cour. Aufgefallen war er mir schon 2015 auf dem NCN wo er auf einer kleinen Bühne die Menge begeisterte. Hier auf der großen Bühne waren die Drei (Bass, Schlagzeug, Gesang) zwar etwas verloren, Aber durch Henrics Gesang füllte er die ganze Halle. Dunkler getragener Darkwave mit melancholischen Melodien. Dazu die düstere Stimme von Henric… ein guter Start für das Festival :-). Auf der zweiten Bühne starteten Orange Sector dann den Festivaltag. Ihre Musik geht in Richtung Krupps. Die Band bietet harte schnelle Drums, eine feste Stimme - gut gemachter EBM!
KITE (Schweden)hatten zwar ein paar Technikprobleme, ließen sich aber dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Zwei Mann auf der weiten Mainstage nur mit Keyboards ausgestattet, aber stimmlich auch hier ein wahres Erlebnis. Sehr melancholisch mit traumhaften Wavelines. Die Stimme von Sänger Nicklas Stenemo erinnert mich etwas an Feargal Sharkey (The Assembly) der Sound ist wie gesagt sehr episch. Während der Sänger ganz still am Mikro verharrt, geht der Keyboarder voll ab :-).
etrop33Harmjoy (=Schadenfreude) waren da genau das Gegenteil auf der zweiten Stage. Hier wurden viele Videosequencen mit Bildern/Aufmachung aus der Zeit des kalten Krieges gezeigt. Dazu gab es dann elektronische Melodien mit düsterpeppiger Stimme. Sehr sonor, aber durchweg mitziehend und tanzbar.
Assemblage 23 war dann eher eine Ein-Mann-Show. Zwar hatte Tom Shear Unterstützung von zwei Statisten, aber gerockt hat er die große Bühne ganz alleine. Ganz im Sinne von Ronan Harris lief er bestimmt so einige Kilometer während des Konzertes. Das war volle Power mit vielen Hymnen dabei.
Mit The Cassandra Complex waren dann mal ein paar ganz alte Hasen auf der Bühne und zeigten, dass sie es immer noch drauf hatten. Alte Klassiker konnten das teilweise recht junge Publikum mitreißen.
Beborn Beton und Winterkälte mussten wir leider auslassen, weil zu viel an unserem Stand zu tun war.
Die nächste Band, über die wir berichten können, war Welle:Erdball. Ich bin immer gespannt, was sich Honey und seine Truppe als neues Gimmick auf der Bühne ausdenken. Diesmal kam Lady Lila mit aufblasbaren Engelsflügeln auf die Bühne, die sich passend zur Single „1000 Engel“ aufblähten – nice.
etropolis 002Dafür war Alf nicht mit auf der Bühne. Laut Gerüchten war er krank. Ansonsten war diese „Radiosendung“ wie immer etwas Besonderes. Entweder man mag Welle oder nicht. Ich denke, da gibt es keine Zwischenlösung. Zu „Schweben, fliegen, fallen“ und „Starfighter F-104S“ sang die ganze Turbinenhalle mit. Party im ganzen Saal.
Zu Legend muss ich leider auch passen. Front Line Assembly füllt dann wieder die Mainstage. Viel blaues Licht und Nebel umhüllten Sänger Bill Leeb, der mit einer (silbernen) Maske auf die Bühne kam. Zum Glück wurde der Gesang dadurch nicht behindert. FLA sind immerhin im 30 (!) Bühnenjahr seit Gründung. Das merkt man der Band gar nicht an. Zwar hat sie viele Wandlungen durchgemacht, aber die Konstante Bill Leeb blieb immer erhalten und sorgt für den eindeutigen Sound.
Hocico haben sich richtig was ausgedacht für ihren Auftritt. Zum ersten Song kam zuerst Racso Agroyam auf die Bühne. Dann folgten zwei schwarze Engel in hautengen, nahtlosen Anzügen (eindeutig MÄNNLICHE Engel), die für die Drums zuständig waren. Erk Aicrag war die ganze Zeit nicht zu etropolis 009sehen. Selbst als der Gesang losging, war nur sein Konterfei auf der Videoleinwand zu sehen. Absolut lippensynchron, gut gemacht. Hocico sind bekannt für ihre sehr aggressiven Texte mit knallhartem Sound. Den brachten sie auch hier gut rüber. Einziges Manko: Bitte liebe schwarze Engel. Flügel laufen unten spitz zu und haben oben ihre Rundung, nicht anders rum :-D
Headliner auf der zweiten Bühne war diesmal Suicide Commando. Johan hat auch immer gerne Begleitung auf der Bühne, obwohl er die gar nicht nötig hat. Schon beim ersten Ton geht die Menge mit. Suicide Commando hat einen ganz eigenen Sound. Mit seiner verzerrten Stimme dringt Sänger Johan van Roy direkt ins Gehirn und schmilzt fast die Ohren weg. EBM vom Feinsten!

 

etropolis 014Den Abschluss machte dann AND ONE auf der Hauptbühne. Schon der Soundcheck am Nachmittag war genial und ließ auf eine super Show hoffen. Da ich 2015 AND ONE einige Male gesehen hatte, ging ich vom gewohnten Start mit „An alle Krieger“ aus. ABER fehlgedacht! „Black Generation“ machte den Anfang, gefolgt von „Männermusik“ und „Die Mitte“. Das kannten dann nur Hartcorefans. Da musste selbst ich tief in meiner Kopffestplatte wühlen bis ich auf „Flop!“ kam. Klar gab es auch bekanntere Hits wie „Deutschmaschine“ und „Steine sind Steine“. Steve war etwas desorientiert auf der Bühne und stolperte fast über die Kabel, aber wie immer überspielte er das mit Sprüchen an die Zuschauer und kurzem Schnack mit Joke Jay, der großartig war. Leider gab es diesmal kein „High“-Solo. Dafür als Zugabe unter anderem auch „Die Stille vor dem Ton“ auch so ein altes Lied, aber guuuuut.
So ging das Etropolis zuende. Ein sehr gelungenes Festival mit vielen verschiedenen Bands. Ich hoffe, dass das Line-up 2017 genauso spannend wird.

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