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Die Gebrüder Grimm sind uns Eltern bestimmt in Erinnerung geblieben.
Düstere "Gute Nacht"-Geschichten, die nicht unbedingt ein positives Ende genommen haben.
Brother Grimm aka Dennis Grimm erzählt zwar auch Geschichten allerdings zur guten Nacht.
Was es damit genaues auf sich hat, könnt ihr im Interview lesen...

DSF:  Hallo Brother Grimm und herzlichen Glückwunsch zur Wahl der Band des Monats Februar 2018 bei Die-Schwarze-Familie.Net!

Dennis: Hallo Leute, vielen Dank! Freut mich sehr.

DSF: Kannst du dich kurz vorstellen? 
Dein Nachname ist wirklich "Grimm", wie die Geschichtenerzähler aus dem 18. Jahrhundert (mit recht düsteren Kindergeschichten, nebenbei)?

bg1Dennis: Ja, mein Name ist Grimm. In der Afroamerikanischen Community nennen sich die Menschen „brother“ und „sister“.
Dies wird darauf zurückgeführt, dass in den Zeiten der Sklaverei, als Familien getrennt wurden, Priester predigten, dass wenn sich die Menschen „brother“ und „sister“ nennen, sie eines Tages ihre eigenen Familien wiedersehen werden.
Der Name Brother Grimm wurde mir von afroamerikanischen Freunden gegeben, die mich damit quasi in ihre Familie aufgenommen haben.

DSF: In welche Richtung geht deine Musik? Ich habe was von "Albträume in Fuck-Moll" gelesen?

Dennis: Miles Davis hat mit der Platte „in a silent way“ eine entscheidende Änderung im Jazz vollzogen, indem er die Intensität und die Dynamik der Musik auf die kontrastierenden Background-Instrumente gelenkt hat. Dem Hörer wird eine vermeintliche Monotonie vermittelt, die einen einlullt und zugleich wahnsinnig werden lässt! Das haben Bands wie die Talking Heads oder Sonic Youth später in die Rockmusik gebracht. Das Repetitive hat mich immer fasziniert und findet sich auch in meiner Musik wieder. Gleichzeitig ist meine Musik sehr reduziert und direkt. Sie ist die Vordergrundmusik des Films und der Zuhörer ist der Regisseur des Films.

DSF: Dein zweites Album "Home Today, Gone Tomorrow" ist gerade Ende Januar erschienen. Herzlichen Glückwunsch! Was ist die Geschichte dahinter? Gibt es einen roten Faden?  

Dennis: Vielen Dank! Die Platte ist in 3 schlaflosen Nächten in Christiania (Kopenhagen) entstanden und ist sicher getrieben von dem Spannungsfeld zwischen Exzess und Askese, dass mich und den Produzenten Tenboi Levinson während der Sessions umgab. Letztlich ist es außerdem geprägt von den vielen Verlusten der Vorjahre. Bowie, Lemmie, Prince, George Michael, Manfred Krug. Diese Menschen waren immer da, solange ich lebe und ihre Abschiede haben mein Bewusstsein für die Vergänglichkeit geschärft.
bg2Auch eine Verzweiflung über die hoffentlich nicht unaufhaltsame Kommerzialisierung der Gesellschaft und die damit einhergehende Spaltung derselben findet sich auf der Platte und nicht zuletzt im Titel der Platte.

DSF: Warum bist du "still afraid of Germany"? O.o

Dennis: Religion, Geld, völkisches Denken und Nationalismus haben großes Unglück und viele Kriege in diese Welt gebracht. Deutschland und deutsch sein umgab immer eine selbstgemachte Aura des Überlegenen und der Abgrenzung. Gepaart mit der Stimme des Hasses, die zwar nicht neu ist, aber lange nicht so salonfähig war, finde ich diese Entwicklung in Deutschland und Europa mehr als beängstigend.

DSF: Wirst du 2018 auch mit der neuen CD auf Tour gehen? Stehen schon Termine fest?

Dennis: Oh ja, meine Tour startet schon im Januar 2018 und führt nach:

24.01.2018 - DE München, Strom + Algiers
25.01.2018 - DE Leipzig, Black Label
26.01.2018 - DE Quedlinburg, KUZ Reichenstraße
27.01.2018 - DE Karlsruhe, Kohi
01.02.2018 - DE Fulda, Kulturkeller + Coogans Bluff
02.02.2018 - DE München, Feierwerk + Coogans Bluff
03.02.2018 - CH Luzern, Treibhaus + Coogans Bluff
23.02.2018 - DE Berlin, Badehaus
24.02.2018 - DE Großhennersdorf, Kunstbauerkino
09.03.2018 - DE Weimar, Kasseturm
10.03.2018 - CH Rorschach, Treppenhaus
11.03.2018 - DE Freiburg, Slow Club
15.06.2018 - DE Mannheim, Maifeld Derby

Dennis: Bei DSF geht es ja vor allem um unsere Eltern-Community. Deshalb nun ein paar familiäre Fragen.
Hast du eigene Kinder oder Nichten und Neffen?

bg4Dennis: Nein

DSF: Was sind deiner Meinung nach die drei wichtigsten Werte die man derzeit Kindern weitergeben sollte?

Dennis:
1. Höre auf deine Eltern
2. Höre nicht auf deine Eltern
3. Finde heraus, wann du besser auf deine Eltern hörst und wann nicht

DSF: Und zu guter Letzt: Möchtest ihr ein paar direkte Worte an unsere Leser richten?

Dennis: Vielen Dank für euren Support und haltet die Ohren steif!

DSF: Vielen Dank für das Interview! Und alles Gute für die CD!