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Die schwedische Band Machinista gelten bei manchen noch als eine Art Geheimtipp. Das wird ihnen aber längst nicht mehr gerecht. Die Band, die 2012 als Duo mit John Lindqwister (Cat Rapes Dog, Dogshit, Basswood Dollies etc.) und Richard Flow (Vision Talk, Haze For Sale etc.) startete, mittlerweile aber zu viert mit Gitarrist und Drummer auf der Bühne steht, hat mehr als diesen Stempel verdient. Immerhin legen sie letzte Hand an das bei Infacted Recordings in Kürze erscheinende 3. Album „Anthropocene“ an.

DSF: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl der Band des Monats September 2018!
Ihr seid ja keine Neulinge in der Szene, aber könnt ihr uns trotzdem etwas über Maschinista erzählen? Hat der Bandname eine besondere Bedeutung?

John: Der Name Maschinista rührt von einem alten Song her, den ich mit einer älteren meiner Bands namens „Basswood Dollies“ aufgenommen habe. Außerdem suchte ich nach einem etwas weiblicheren Ausdruck für „Maschine“. Das klingt jetzt etwas merkwürdig, wenn ich heute so darüber nachdenke. Aber egal.
Etwas später sprach ich mit Richard darüber und er sagte, dass er eine neue Band starten wolle mit genau diesem Namen. Ich wusste nicht, das es das Wort in einer anderen Sprache gab und war echt überrascht.

m6DSF: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Richard: ich finde es heutzutage sehr schwierig Musik in ein Genre einzugruppieren, besonders wenn es um Elektronic Music geht.
Wenn es um die Music von Maschinista geht, denke ich kaum darüber nach.
Natürlich benutze ich für die Music Synthesizer schließlich ist das ja elektronische Music.
Ich höre eine sehr große Bandbreite an Musik: da wäre Synthpop, Goth, Rock und Soundtrack Music - sehr viele verschiedene Sachen. Ich denke wir machen eine schöne Mischung aller Genres :-) also würde ich unsere Musik am ehesten mit Dark Elektronic Popmusic bezeichnen.

DSF: Kommendes Wochenende spielt hier auf dem NCN Festival. Bevorzugt ihr eher große Festivals oder kleine gemütliche Clubs?

Richard: Beides hat seine Vorzüge. Auf großen Festivals hast du eine große Zuhörerschaft, manchmal eine große Crew, die dich unterstützt und viel Equipment. Auf Festivals sind aber auch viele verschiedene Fans und du musst den Fokus mehr auf ein Best of deiner Hits setzen, als auf spezielle Lieder, die du spielen möchtest. Bei einem Club Gig hast du mehr Zeit dich vorzubereiten und kannst einen besseren Soundcheck machen. Aber wir lieben sie beide.

John: Beides hängt von Gefühl des Tag ab und natürlich, ob viele Menschen da sind oder nicht. Aber ich fühle mich persönlich sicherer mit 1000 Leuten oder mehr von der großen Stage.

m7DSF: Ihr kommt aus Schweden tourt aber viel durch Europa, besonders durch Deutschland. Gibt es Unterschiede zwischen den Ländern? Den Fans?

Richard: Ich denke schon. In Deutschland gibt es viele Menschen in der Elektronic Szene. Viele Bands und Labels haben ihren Sitz hier und es gibt die besten Festivals! Also Deutschland muss sein! In Schweden gibt es auch eine gute Underground Szene allerdings gibt es da nicht so viele Menschen, wie in Deutschland. In Schweden ist das eher eine kleine Community, wo jeder jeden kennt. Wie eine kleine Gothic Familie ganz in Schwarz :-).

John: Ich denke es ist eher das Gleiche. Die Menschen können sich in beiden Ländern dafür begeistern. Natürlich ist die Szene in Deutschland größer.

DSF: Wie wäre es mit ein paar Worten zu einem neuen Album?

Richard: Wir arbeiten gerade an den letzten Songs und Mixen.
Das Album hat einige Zeit in Anspruch genommen und dabei ging es nicht um fehlende Inspiration. Wir hatten einfach viel um die Ohren. Aber als ersten Teaser wird es in Kürze eine CD-Single geben mit dem Namen „Black Tide“. Auf der Single wird es unter anderem einen Remix von keinen anderen als Apoptygma Berzerk geben, DNTR (unser Live Drummer), Krawallchuck (unser erster Live Guitarist). Also seid gespannt! „Anthropocene“ wird in Kürze erscheinen!

John: Es wird ein guter Nachfolger von „Garmonbozia“ auch wenn es lange dafür gebraucht hat.
Wir sind aus verschiedenen Gründen spät dran, das wird aber auch das Erste Werk einer Trilogie. Ein neuer Schritt für Machinista und wir haben die nächsten beiden schon (auf dem Papier) geplant.

DSF: Wie seht ihr das. Sollte man sich das neue Album als CD kaufen oder reicht ein Downloads?

Richard: Natürlich CD! Wir lieben die Silberlinge! Eine CD mit allen Liedern in der richtigen Reihenfolge, ein Booklet, das Artwork und vieles mehr. Wir sind keine großen Fans von digitalen Kopien, die man in PC- Ordnern sammeln. Das ist keine „Sammlung“.
Das Gesamtpaket, das Konzept eines Albums ist uns sehr wichtig!

m9DSF: Die-Schwarze-Familie ist in erster Linie eine Eltern Community. Habt ihr eigene Kinder?

BRD: Ja, Ich bin stolzer Vater von zwei Kindern. Einer 17-jährigen jungen Frau und einem zwölf Jahre alten Jungen.

John: Ich habe eine Tochter und sie wird bald Zehn.

DSF: Kennen die eure Musik? Waren sie schon mal live dabei?

BRD: Sie kennen unsere Songs sehr gut, da ich viel zu Hause übe. Sie waren auch schon öfters bei Liveshows und haben mich mit anderen Bands spielen sehen, aber sie waren noch nie bei einem Konzert von Maschinista dabei. Sie beobachten mich aber über die sozialen Medien und schauen Videos bei YouTube um zu sehen was ihr verrückter Dad so macht ;-. Vielleicht nehme ich sie mal mit auf einem Trip nach Deutschland wenn sie 18 sind, dann können Sie den Job eines Musikers mal aus einer anderen Perspektive ansehen.

John: Sie kennt meine Music, mag sie aber nicht wirklich, ha ha. Sie war sogar mal auf der Bühne und hat ein bisschen getanzt. Das mag sie gerne.

DSF: was sind die drei wichtigsten Werte dir euren Kindern mitgeben wollt?

BRD: 1. Ich möchte das sie Empathie entwickeln, niemanden zu vorschnell durch das Aussehen verurteilen.
2. Vielschichtiges Denken. Ich versuche sie zu motivieren nicht in einer geraden Linie, in Stückchen zu denken, sondern auch mal einen Schritt in die Tiefe zu machen, verschiedene Blickwinkel zu sehen und Standpunkte zu erkennen.
3. und zu guter Letzt möchte ich, dass sie ihrem Herzen folgen und tun was sie wollen und das mit 100 %.
Verharrt nicht in schlechten Beziehung, bleibt nicht in einem Job den ihr hasst, findet euer euer Ding und eure Menschen. Findet das, was 4 Stunden so erscheinen lässt, als wären nur 5 Minuten vergangen.

John: Ich möchte das sie Treu zu sich selbst ist, freundlich und ihrem Herzen folgt.

DSF: Mal von eurem Standpunkt aus gesehen: Ist unsere Szene zu introvertiert? Müssen wir mehr Standpunkt beziehen für die Zukunft unserer „nächsten Generation“?

BRD: Die Szene in Deutschland ist viel offener für neue Ausdrucksformen als in Schweden. Ich glaube nicht, dass die Elektro/industrial Music in Zukunft genauso klingen wird wie jetzt. Aber trotzdem wird es viele Fans davon geben.
Wenn du das mit „normaler“ Standard Rockmusik vergleichst hat sich die Szene da auch stark verändert gegenüber der Musik in den Sechzigern.

John: Wir brauchen Nachwuchs, die die Szene lieben.

DSF: Und zu Schluss: Ein paar direkte Worte an unsere Leser?

BRD: Nö. Ich hab schon zu viel gesagt. Ich gehe jetzt wieder zurück Üben. Verpasst Maschinista nicht, wenn wir live in eurer Gegend spielen! Wir sehen uns irgendwo auf der Tour!

John: Kauft bitte unsere Musik, ich möchte gerne reich sein ;-)

Fotos mit freundlicher Genehmigung von unserem Mitglied CRDHome